Streichholzbeinchen und Spaghettiärmchen

Linda Bär

Die französische Regierung verbietet Magermodels, resp. will, dass Modelagenturen nur Mädchen engagieren, die einen BMI (Body Mass Index) von mindestens 18 haben. Wer dagegen verstösst kann mit bis zu sechs Monaten Haft oder 75'000 Euro Geldstrafe bestraft werden. Solche Gesetze gegen Hungerhacken kennen auch Spanien, Italien, Belgien und Israel.

Nun kann man diese Gesetze gut oder schlecht finden, man kann glauben, dass sie etwas ändern und verbessern oder dass sie nichts nützen. Aber einig sind wir uns wohl, dass gesundheitsschädliches Magersein schlecht ist und viele v.a. junge Menschen Ess- und Gewichtsstörungen haben, weil sie den Normen von den Models, entsprechen wollen. Bettina Weber vom Tagi sieht das anders. Sie findet das Gesetzt aus drei Gründen lächerlich und absurd: 1. Models sind von Natur aus dünn, 2. Dünnsein ist nicht gleich Magersucht und 3. Dünnsein ist gar nicht das Problem.

Ich muss vielleicht etwas ausführen, damit man erkennt wie haarsträubend Webers Argumente sind. Sie schreibt „eine Frau die diese körperlichen Voraussetzungen (gross + dünn) nicht mitbringt, taugt so wenig zum Model wie zur Hochspringerin“. Ausserdem: „Models sind nicht magersüchtig, sie sind entweder jung, schlaksig, fast androgyn oder sehr diszipliniert.“ Und drittens, dass sich unsere Gesellschaft darauf geeinigt hat, dass Schlanksein als attraktiv gilt, und nicht Dünnsein das Problem ist sondern, dass die Menschen immer dicker werden.

Diese Argumentationslinie ist ziemlich tautologisch. Wenn man einfach sagt, Models müssen dünn sein, sonst stellt sie keiner an, ja dann ist das sicher so. Aber genau das will man ja ändern mit diesem Gesetz! Oder versteh ich da was falsch? Man will, dass die Modewelt anfängt Menschen ins Zentrum zu stellen, die wie du und ich sind, normal, weder dick noch dünn, Frauen mit Arsch und Brüsten, keine androgynen Menschenwesen, bei denen man das Skelett durchschimmern sieht. Dass eben nicht abgemagerte Mädchen ohne die kleinsten Anzeichen von weiblichen Rundungen als schön gelten, sondern als schön gilt, was auch gesund ist.

Weber verkennt völlig, dass uns die Modewelt falsche Schönheitsideale vorlebt, Ideale die von der Mehrheit der Bevölkerung ohne gesundheitliche Schäden gar nicht erreicht werden können. Disziplin in Ehren, aber für viele sind solche Modelmasse unerreichbar, ausser man hungert. Jedes vierte Mädchen in Deutschland hat Essstörungen, die Hälfte fühlt sich zu dick, trotz Normalgewicht. Es geht nicht darum auf den Models herumzuhacken, aber sorry, wenn eine 1.75m Frau Beine hat, so dünn wie meine Arme, und das als schön gilt, stimmt was mit unserer Gesellschaft nicht. Die Modewelt soll Schönheit anerkennen in jenen, die mehr auf den Rippen haben als bloss Haut.

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